Was ist ein Strohballenhaus?

4. Februar 2009 | Von | Kategorie: Hausbau

In der Bundesrepublik Deutschland bleibt jährlich ein Fünftel des geernteten Strohs ungenutzt. Obwohl dieser Baustoff für den Bau von rund 350.000 Einfamilienhäusern verwendet werden könnte.

Doch in Deutschland steigt das Interesse für diese traditionsreiche Bauart nur langsam an. Gegenwärtig gibt es etwa 100 Strohballenhäuser, etwa 80 davon sind Wohnhäuser. Diese Bauweise wird für viele wieder interessant, weil sie zum einen umweltschonend ist und zum anderen kostengünstig. Alles Wissenswerte zum Thema „Strohballenhaus“ finden sie auf der Internetseite vom Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.

Konstruktion eines Strohballenhauses

Als erstes wird wie bei jedem herkömmlichen Wohnhaus ein Fundament gegossen. Anschließend wird darauf ein Holzständerwerk aufgesetzt, in dessen Zwischenräume die Strohballen eingesetzt werden. Diese Strohballen sind stärker zusammen gepresst als gewöhnliche Strohballen vom Feld. Dabei muss man sicher stellen, dass die Strohballen nicht feucht sind und generell bei regenfreiem Wetter gebaut wird um so Feuchtigkeit und Schimmelbildung vorzubeugen. Deshalb wird die Dachkonstruktion meist vor dem einsetzten der Strohballen aufgesetzt. Denn diese wird auch mit den Strohballen versehen. Im Anschluss wird Innen ein fünf bis acht Zentimeter dicker Lehmputz aufgetragen. Außen müssen die Wände genau so stark verputzt werden. Hier hat man aber die Möglichkeit anstatt Lehm Kalkputz zu nutzen oder man bringt eine Verschalung an. Dank dem Putz der das Stroh umgibt, gilt dieses Material als schwerentflammbar, weil es dem Feuer mehr als 90 Minuten dem Feuer standhält.

Es ist sogar möglich ein mehrgeschossiges Gebäude auf diese Art zu errichten. Wie zum Beispiel das dreigeschossige Wohnhaus „Strohpolis“ in der Modellsiedlung „Ökodorf Sieben Linden“ in der Altmark (Sachsen-Anhalt).

Vorteile

  • Beitrag zum Umweltschutz
  • Zusätzliche Einnahmequelle für Landwirte der Region
  • Mauerwerk und Dämmung bilden eine Einheit (Tragkonstruktion nicht unbedingt notwendig)
  • Gesundes Wohnklima (Abgabe und Aufnahme von Feuchtigkeit dank des Lehmputzes)

Kosten

Die Kosten für alle benötigten Strohballen belaufen sich auf etwa 600 Euro bei einem Einfamilienhaus. Falls die Bauherren mit der Hilfe von Familie und Freunden selbst beim Einsetzen und anschließendem Verputzen der Strohballen mit Hand anlegen, sparen sie bares Geld.

Da Stroh ein guter Wärmedämmstoff ist, kann man Strohballenhäuser auch als Niedrigenergiehäuser oder sogar Passivhäuser bauen lassen. Der Wärmedämmwert beträgt 0,15 Kilowattstunde pro Quadratmeter Wohnfläche (bei 40 bis 50 Zentimeter starken Strohwänden). Damit werden die Anforderungen für ein Niedrigenergiehaus ohne Probleme erfüllt.

Aufgrund dessen reicht schon eine Pelletheizung und ein Kachelofen völlig aus um damit das gesamte Wohnhaus in der kalten Jahreszeit zu beheizen. Die Heizkosten pro Jahr belaufen sich dann auf etwa 350 Euro.

Quelle: www.fasba.de

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Ein Kommentar
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  1. Auch wir haben uns für ein Strohballenhaus entschieden.

    Dafür gab es vielerlei Gründe.
    Die in Zukunft steigenden Heizkosten waren ein Grund. In den letzten Jahren hat es uns doch einigen Stress bereitet, die Heizölpreise ständig im Auge zu behalten um dann im (vermeintlich) richtigen Augenblick zu bestellen.
    Ein Strohballenhaus bedeutet für uns aber auch mehr Behaglichkeit, geringe Temperaturschwankungen, wenig Chemie und nicht zuletzt ein modernes zukunftsweisendes Gebäude.

    In unserem ganz besonderen Fall mussten wir nicht allein für unsere Familie entscheiden.
    Wir hatten geplant ein kleines Hotel zu bauen. Wir mussten also auch an all die temporären Mitbewohner denken.
    Nachdem das Hotel auf 1300 Höhenmetern gebaut werden soll, bedurfte es einiger Berechnungen (Positionierung des Gebäudes, Sonneneinstrahlung, Sonnenstunden im Jahr, Wandstärken ect.) um sich für ein solches Projekt komplett ohne Heizung zu entscheiden.

    Wir haben uns für die tragende Strohballenweise entschieden. Bei der tragenden Strohballenbauweise bestehen die Wände gänzlich aus Strohballen und die Dachlast wird über die Strohballen getragen. Ein Holzständerwerk, wie im Artikel beschrieben wird nicht benötigt.
    Bei einer Wandstärke von ca. einem Meter werden wir auch nicht eigens heizen müssen.

    Das Maya Guesthouse wird im schweizer Wallis gebaut und wird voraussichtlich Ende 2011 fertiggestellt.
    Die Entwicklung des Mayaprojekts kann über den Blog auf wordpress.com mitverfolgt werden.

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